Hunde

Wenn Fini zum Friseur muss: Meine Erfahrungen mit dem Scheren ihrer Locken

Weißer Hund sitzt auf Terasse, geschorenes Fell liegt neben ihm

Fini ist sechs Jahre alt und ein Spanischer Wasserhund. Und sie hat ein Fell, das mich bei der Fellpflege immer wieder vor eine kleine Herausforderung stellt.

Ich schere Fini schon immer selbst. Das hat fĂŒr uns einen großen Vorteil: Ich kann selbst entscheiden, wann es fĂŒr sie wieder Zeit ist und muss nicht versuchen, einen Termin beim Hundefriseur genau auf den richtigen Zeitpunkt zu legen. Denn genau dieser Zeitpunkt ist bei Fini gar nicht so leicht zu erwischen.

Nicht zu kurz im Sommer – und nicht zu kurz im Winter

Fini hat keine Unterwolle. Deshalb ist mir besonders wichtig, ihr Fell im Hochsommer nicht zu kurz zu schneiden. Ihr Fell schĂŒtzt ihre Haut vor der direkten Sonne. Wird es zu kurz, liegt die Haut viel stĂ€rker frei und ist damit auch der Sonne ausgesetzt. Deshalb lasse ich im Sommer bewusst etwas mehr Fell stehen. Aber auch im Winter möchte ich Fini nicht zu kurz scheren. Auch wenn sie keine Unterwolle besitzt, hĂ€lt ihr Fell sie warm. FĂŒr mich gehört deshalb zur Fellpflege nicht nur die Frage: „Wie sieht das Fell aus?“, sondern vor allem: „Was braucht Fini gerade?“

Und damit sind wir schon bei meinem eigentlichen Problem.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Scheren?

Fini hat nĂ€mlich die wunderbare Eigenschaft, dass ihr Fell sehr schnell verfilzt, sobald es etwas lĂ€nger wird. DafĂŒr braucht es gar nicht viel.

Ein paar Grassamen, die ich nach dem Spaziergang ĂŒbersehe, können schon ausreichen. Im Wald kommen Laub, kleine Zweige und stachelige Äste dazu, die sich in ihrem Fell verfangen. Und im Sommer trĂ€gt das Schwimmen zusĂ€tzlich dazu bei, dass ihr Fell mit der Zeit leichter verfilzt. Deshalb habe ich auf unseren SpaziergĂ€ngen inzwischen immer eine kleine BĂŒrste mit Striegelhaken dabei. Sobald ich einen Grassamen oder einen kleinen Zweig entdecke, kann ich ihn gleich entfernen. Diese kleine BĂŒrste ist fĂŒr uns wirklich Gold wert. Denn je lĂ€nger ein kleiner Fremdkörper im Fell bleibt, desto eher entsteht daraus ein Filz. Trotzdem erwische ich den perfekten Zeitpunkt zum Scheren bei Fini nicht immer. Eigentlich mĂŒsste ich sie jetzt wieder scheren, aber das Fell ist bereits verfilzt. Und dann beginnt der aufwendigere Teil.

Was ich mache, wenn Fini verfilzt ist

Bevor ich mit der Schermaschine ĂŒberhaupt an ihr Fell gehe, wird Fini gewaschen.

Das ist fĂŒr mich ein wichtiger Schritt, denn Schmutz und Staub im Fell können die ScherblĂ€tter schneller stumpf werden lassen. Je nach Zustand des Fells verwende ich nach dem Waschen zusĂ€tzlich einen Conditioner.

Danach wird Fini grĂŒndlich geföhnt. Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit, macht fĂŒr mich aber einen großen Unterschied. Durch das Föhnen lockert sich ihr Fell wieder etwas auf und lĂ€sst sich anschließend besser bearbeiten. Erst wenn Fini vollstĂ€ndig trocken ist, kommt mein Entfilzungsspray zum Einsatz. Danach versuche ich, das Fell mit einer SlickerbĂŒrste vorsichtig durchzukĂ€mmen.

Und genau hier merke ich jedes Mal, wie unangenehm die Sache fĂŒr den Hund werden kann. Wenn die BĂŒrste auf einen richtigen Filz trifft, muss ich vorsichtig arbeiten. Das Ziehen und Lösen der verfilzten Stellen ist fĂŒr Fini nicht angenehm und ich habe den Eindruck, dass es sie stresst. Deshalb habe ich fĂŒr uns eine Entscheidung getroffen:

Ich muss Fini nicht an einem einzigen Tag komplett fertig scheren.

Lieber mehrere kleine Schritte als einmal ganz viel Stress

Ich schere Fini deshalb meistens in mehreren Etappen. Wenn ich merke, dass es ihr zu viel wird, höre ich auf und mache an einem anderen Tag weiter. Ich möchte nicht, dass das Scheren fĂŒr sie zu einer unangenehmen Erfahrung wird und sie irgendwann schon beim Anblick der Schermaschine Stress bekommt. FĂŒr mich hat das einen großen Vorteil: Ich habe keinen Zeitdruck.

Ich kann mir die Arbeit auf mehrere Tage aufteilen und Fini zwischendurch einfach wieder Hund sein lassen. Das bedeutet allerdings auch, dass sie manchmal ein paar Tage etwas „asymmetrisch“ durch die Gegend lĂ€uft. 😅 Und genau dann muss ich jedes Mal an Dr. Jekyll und Mr. Hyde denken. Auf der einen Seite schon kurz geschoren, auf der anderen noch das volle Lockenprogramm – Fini sieht dann tatsĂ€chlich ein bisschen so aus, als hĂ€tte sie zwei Persönlichkeiten.

Ich muss darĂŒber jedes Mal schmunzeln. Und eigentlich ist genau das eine der schönen Sachen, die Fini mich immer wieder lehrt: Es muss nicht alles perfekt sein. Ihr ist es vollkommen egal, ob ihre Frisur gerade aussieht. Sie geht trotzdem fröhlich mit mir spazieren, schnĂŒffelt, spielt und hat ihren Spaß.

Warum sollte ich mich also darĂŒber Ă€rgern, dass ihr Fell gerade etwas schief aussieht?

Fini bringt mich auf ihre wunderbare Art immer wieder zum Lachen. Und ich glaube, das ist mindestens genauso wichtig wie eine perfekt geschnittene Frisur. Wir nehmen uns selbst und unseren Alltag ohnehin schon oft ernst genug. Da darf auch die Leichtigkeit ihren Platz haben. Ein bisschen Unperfektheit, ein gemeinsames Schmunzeln und die FĂ€higkeit, ĂŒber sich selbst zu lachen, tun einfach gut. Also darf Fini ein paar Tage lang Dr. Jekyll und Mr. Hyde sein.

Hauptsache, es geht ihr gut. Und Hauptsache, wir haben gemeinsam etwas zu lachen.

Die Beine und den Schwanz schneide ich meistens mit einer Schere. Und natĂŒrlich bekommt Fini wĂ€hrend des Scherens immer wieder ein kleines Leckerli. So gehören fĂŒr sie auch angenehme Dinge zu dieser ganzen Prozedur.

Mein kleiner Schertisch

Ich schere Fini auf einem Tisch, den ich mit mehreren Decken auslege und anschließend mit einem Leintuch ĂŒberziehe. Das macht den Untergrund weich und schĂŒtzt gleichzeitig den Tisch. Vor allem aber hilft es mir, eine angenehme Arbeitshöhe zu haben.

Denn das Scheren eines Hundes kann ganz schön auf den RĂŒcken gehen. Wer schon einmal lĂ€ngere Zeit in einer gebĂŒckten oder verdrehten Haltung an einem Hund gearbeitet hat, weiß, was ich meine. Da ich Fini selbst schere und mir die Zeit frei einteilen kann, versuche ich deshalb auch auf meine eigene Haltung zu achten. Fellpflege soll schließlich nicht dazu fĂŒhren, dass am Ende einer von uns beiden RĂŒckenschmerzen hat.

Und was mache ich eigentlich mit dem ganzen Fell?

Das ist eine Frage, die sich bei Fini jedes Mal stellt.

Ich hebe einen Teil ihres Fells auf – vor allem die langen, schönen Haare, die nicht verfilzt sind. Schon seit lĂ€ngerer Zeit nehme ich mir vor, eine Freundin zu fragen, ob sie daraus Wolle spinnen kann.Die Vorstellung finde ich einfach wunderbar.

Ich habe einmal ein Bild von einem sehr großen Hund gesehen, der geschoren wurde. Aus seiner Wolle wurde anschließend ein kleiner Pullover fĂŒr einen kleinen Hund gestrickt, der selbst nur sehr wenig Fell hatte und im Winter etwas WĂ€rmendes brauchte. Ich fand diese Idee einfach zu sĂŒĂŸ.

Ein großer Hund spendet sein Fell und daraus entsteht ein winziger Pullover fĂŒr einen kleinen Hund – ich muss jedes Mal darĂŒber lachen. Vielleicht wird aus Finis Fell also irgendwann tatsĂ€chlich noch etwas ganz Besonderes.

Was ich aus Finis Fellpflege gelernt habe

FĂŒr mich ist das Wichtigste bei Finis Fellpflege nicht, dass sie nach dem Scheren perfekt aussieht. NatĂŒrlich freue ich mich, wenn ihr Fell schön gleichmĂ€ĂŸig geschnitten ist. Aber wenn dafĂŒr ein langer, unangenehmer Entfilzungskampf nötig wĂ€re, ist es mir das nicht wert.

Ich habe gelernt, genauer hinzuschauen: Wie fĂŒhlt sich Fini gerade an? Wie viel kann ich ihr zumuten? Muss wirklich alles heute fertig werden?

Und manchmal lautet die Antwort eben: Nein.

Dann geht Fini mit einer etwas eigenwilligen Frisur spazieren und wir machen einfach am nĂ€chsten Tag weiter. Denn am Ende geht es bei der Fellpflege fĂŒr mich nicht darum, einen perfekt geschorenen Hund zu haben. Es geht darum, dass Fini sich in ihrem Fell wohlfĂŒhlt und die Pflege fĂŒr sie so angenehm wie möglich bleibt. Und wenn sie dafĂŒr ein paar Tage mit einer etwas schiefen Frisur durch den Wald lĂ€uft, dann gehört das bei uns einfach dazu.

 

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