Junges Pferd ständig unruhig und angespannt?
Wenn ein junges Pferd beim Reiten kaum zur Ruhe kommt, sich schlecht konzentrieren kann, am Stall und an anderen Pferden klebt oder sogar Verhaltensauffälligkeiten wie Weben entwickelt, wird schnell mehr Bewegung und Training gefordert.
Bei Ricci war genau das der falsche Weg.
Lies, warum der erst fünfjährige Wallach mit seinem Trainingspensum überfordert war und wie weniger Reiten, mehr Bodenarbeit, Bachblüten und regelmäßiges Heilströmen innerhalb weniger Wochen wieder mehr Ruhe und Freude in seinen Alltag brachten.
Ricci war ein fünfjähriges braunes Deutsches Sportpony und seit etwa einem Jahr bei seiner jungen, reiterfahrenen Besitzerin. Er war ein ausgesprochen agiles, neugieriges und arbeitswilliges Pferd – eigentlich wunderbare Voraussetzungen.
Doch Ricci kam kaum zur Ruhe. Anfangs hatte er stark gewebt. Mittlerweile zeigte er dieses Verhalten vor allem noch rund um die Fütterungszeiten. Beim Fressen schlug er außerdem immer wieder gegen die Boxenwand.
Auch unter dem Sattel fiel seine enorme innere Anspannung auf. Ricci wurde vier- bis fünfmal pro Woche geritten, meistens in der Dressur. Obwohl er grundsätzlich gerne mitarbeitete, war er leicht ablenkbar, unruhig und hätte sich bis zur völligen Erschöpfung fordern lassen.
Besonders deutlich zeigte sich sein Stress beim Ausreiten. Fast bei jedem Ausritt bekam Ricci Durchfall, schwitzte übermäßig und wieherte zurück zum Stall. Neue Situationen verunsicherten ihn zunächst stark. Gleichzeitig klebte er regelrecht an seinem Boxennachbarn, suchte viel Sicherheit bei seiner Halterin und reagierte eifersüchtig.
Die eigentliche Ursache
Auf den ersten Blick konnte man bei Ricci viele einzelne Baustellen sehen: Weben, Boxenwandschlagen, mangelnde Konzentration, Nervosität beim Ausreiten und starkes Kleben an Mensch und Pferd.
Für mich gehörten diese Verhaltensweisen jedoch zusammen.
Ricci war erst fünf Jahre alt – und mit dem, was von ihm verlangt wurde, überfordert.
Er war offenbar bereits sehr jung angeritten worden und wurde auch jetzt intensiv gearbeitet. Gerade weil Ricci so arbeitswillig war, bestand die Gefahr, seine Bereitschaft mit tatsächlicher Belastbarkeit zu verwechseln. Er machte mit. Aber innerlich kam er nicht hinterher.
Seine Unruhe, das Weben und andere unerwünschte Verhaltensweisen waren für mich deshalb nicht einfach „Unarten“. Sie waren wichtige Hinweise darauf, dass dieses junge Pferd mehr Ruhe, Sicherheit und Zeit zur Entwicklung brauchte.
Auch sein starkes Kleben passte dazu. Ricci orientierte sich massiv am Stall, an seinem Boxennachbarn und an seiner Halterin, weil ihm diese vertrauten Bezugspunkte Sicherheit gaben.
Mein ganzheitlicher Lösungsweg
Der wichtigste Schritt bestand deshalb zunächst darin, Druck aus Riccis Training herauszunehmen.
Statt ihn weiterhin intensiv zu reiten, empfahl ich für einige Zeit deutlich weniger Arbeit unter dem Sattel. Dafür sollte die gemeinsame Beschäftigung vielseitiger werden.
Wir bauten mehr Bodenarbeit und Arbeit an der Hand ein. Stangenarbeit sorgte für Abwechslung und Konzentration. Und Ricci entdeckte etwas, das ihm besonders großen Spaß machte:
Kunststücke lernen.
Hier konnte sein neugieriges, arbeitsfreudiges Wesen endlich zum Vorteil werden. Er durfte nachdenken, ausprobieren und Erfolg haben – ohne ständig unter Leistungsdruck zu stehen.
Auch die Ausritte wurden verändert. Denn ein Pferd, das beim Ausreiten regelmäßig mit Durchfall, starkem Schwitzen und enormer Anspannung reagiert, zeigt sehr deutlich, dass diese Situation momentan zu viel für es ist. Stattdessen unternahmen die beiden gemeinsame Spaziergänge an der Hand. Ricci konnte seine Umgebung kennenlernen und gleichzeitig die Sicherheit seiner Halterin erleben, ohne zusätzlich die Anforderungen des Gerittenwerdens bewältigen zu müssen.
Auch beim Futter empfahl ich vorübergehend eine Anpassung: weniger energiereiches Futter, um nicht zusätzlich Energie in ein ohnehin sehr aktives und nervöses Pferd zu bringen.
Begleitend bekam Ricci eine individuell abgestimmte Bachblüten-Mischung, passend zu seinen Themen Überforderung, innere Unruhe und Hektik, mangelnde Konzentration und Unsicherheit.
Heilströmen für mehr Ruhe und Ausgeglichenheit
Ein besonders wichtiger Bestandteil bei Ricci war das regelmäßige Heilströmen.
Seine Halterin sollte ihn mehrmals pro Woche strömen und dabei vor allem zwei einfache Griffe in den Alltag integrieren.
Vor der gemeinsamen Arbeit verwendete sie den ersten Zentrierer: Eine Hand liegt mittig an der unteren Brust, die andere oben kurz vor dem Widerrist. Dieser Griff sollte Ricci dabei unterstützen, zunächst einmal zur Ruhe zu kommen und sich zu sammeln.
Nach der Arbeit kam der Kurzgriff des Hauptzentralstroms zum Einsatz. Diesen nutze ich zur energetischen Harmonisierung von Körper, Geist und Nervensystem und zur Unterstützung der Selbstheilungskräfte. Zusätzlich integrierten wir einen auf seine Situation abgestimmten Spezialstrom.
Gerade für einen jungen, unsicheren und schnell überforderten Wallach wie Ricci war dieses ruhige Ritual des Heilströmens besonders wertvoll. Es war so schön zusehen wie er entspannt, die Unterlippe hängen lies....
Das Ergebnis
Ricci nahm die Veränderungen erstaunlich schnel an.
Vor allem die Bodenarbeit und das Erlernen kleiner Kunststücke machten ihm großen Spaß. Seine Arbeitsfreude blieb also erhalten – aber die Nervosität wurde deutlich weniger.
Nach ungefähr zwei Monaten war Ricci wesentlich ausgeglichener.
Er konnte sich besser konzentrieren, wirkte ruhiger und hatte sichtbar Freude an der gemeinsamen Arbeit, ohne dabei ständig innerlich hochzufahren.
Erst danach wurde das Training langsam wieder verändert und das Reiten schrittweise gesteigert. Und diesmal konnte Ricci damit gut umgehen.
Das Ziel war also nie, aus diesem aufgeweckten, agilen jungen Pferd ein ruhiges Phlegma zu machen.
Ricci durfte Ricci bleiben – nur ohne ständig überfordert zu sein.
Astrids Tipps
Gerade bei jungen, arbeitswilligen Pferden besteht die Gefahr, Arbeitsfreude mit körperlicher und mentaler Belastbarkeit zu verwechseln.
Ein Pferd, das immer weitermacht, ist nicht automatisch ein Pferd, dem das Pensum guttut.
Weben, starke Unruhe, Konzentrationsprobleme, extremes Kleben, Durchfall oder übermäßiges Schwitzen in bestimmten Situationen solltest du deshalb nicht einfach als Unart oder mangelnden Gehorsam betrachten. Körperliche Ursachen sollten selbstverständlich tierärztlich abgeklärt werden. Danach lohnt sich ein ehrlicher Blick auf Haltung, Fütterung und Training.
Manchmal braucht ein Pferd nicht mehr Training, sondern weniger Druck.
Bodenarbeit, Spaziergänge, spielerisches Lernen, Ruhephasen und gemeinsame Rituale können gerade einem jungen Pferd die Zeit geben, die es braucht, um körperlich und mental nachzureifen.
Und danach kann auch das Reiten wieder ganz anders aussehen.
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