Das Problem
Santana, eine 18-jährige Holländische Warmblutstute, war viele Jahre erfolgreich im Springsport unterwegs. Nach ihrer Turnierkarriere durfte sie ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. Sie bekam ein Fohlen, hatte täglich Weidegang und lebte gemeinsam mit anderen Pferden in einer Herde. Eigentlich schien alles perfekt.
Doch mit der Zeit veränderte sich ihr Verhalten deutlich.
Santana wurde zunehmend unverträglich gegenüber anderen Pferden. Bereits bei kleinen Annäherungen legte sie die Ohren an, quietschte laut und stampfte mit dem Vorderbein auf den Boden. Das gegenseitige Kraulen und Beknabbern, das Pferde normalerweise so sehr genießen, wollte sie kaum noch zulassen. Stattdessen stand sie häufig allein am Rand der Herde und wirkte auf ihren Besitzer regelrecht schlecht gelaunt. An manchen Tagen war sie freundlich, an anderen gereizt und sogar bissig.
Die eigentliche Ursache
Viele hätten vermutlich gesagt: „Sie wird eben alt.“ Doch als Zoologin und Verhaltensberaterin weiß ich, dass hinter einer plötzlichen Verhaltensänderung immer eine Ursache steckt.
Während ihrer Turnierkarriere stand Santana viele Jahre im Mittelpunkt. Danach bekam sie ein Fohlen und schließlich begann für sie ein völlig neuer Lebensabschnitt. Ihr Besitzer liebte sie nach wie vor sehr, richtete seinen Fokus aber zunehmend auf das junge Pferd.
Für Santana fühlte sich dieser Übergang offenbar ganz anders an. Sie hatte ihre Aufgabe verloren, fühlte sich weniger gebraucht und zunehmend allein gelassen. Gleichzeitig schien ihr der Herdenverband mit acht Pferden immer mehr Stress zu bereiten. Ihre Toleranzgrenze sank und jede kleine Annäherung wurde ihr zu viel.
Mein ganzheitlicher Lösungsweg
In meiner ganzheitlichen Verhaltensberatung betrachte ich niemals nur das Verhalten selbst, sondern immer das gesamte Umfeld des Tieres.
Bei Santana bestand die Lösung deshalb aus mehreren aufeinander abgestimmten Maßnahmen.
Ich empfahl regelmäßige Bodenarbeit und entspannte Spaziergänge. Vor allem aber bekam Santana wieder etwas, das sie sehr vermisst hatte: die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Menschen. Deshalb empfahl ich das wöchentliche Heilströmen entlang der Rückenlinie, das die Stute sichtlich genoss. Oft war es nicht nur die Anwendung selbst, sondern die gemeinsame ruhige Zeit, nach der sie sich so sehr gesehnt hatte.
Auch ihre Haltungsbedingungen wurden angepasst. Statt weiterhin in einer großen Herde zu leben, durfte Santana gemeinsam mit einem älteren Ponywallach auf die Weide. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Der kleine, freche Wallach schien genau der richtige Gefährte für sie zu sein. Statt ständig von vielen Pferden umgeben zu sein, konnte sie wieder entspannen – und ließ sich von ihrem neuen Freund sogar gerne kraulen. Es war wunderschön zu beobachten, wie aus der gereizten Stute wieder ein zufriedenes Pferd wurde.
Ergänzend erhielt Santana eine individuell abgestimmte Bachblüten-Mischung.
Das Ergebnis
Bereits nach fünf Wochen zeigte sich eine deutliche Veränderung. Santana war wieder ausgeglichen, ihre Stimmungsschwankungen verschwanden und sie konnte ihren neuen Lebensabschnitt entspannt genießen.
Astrids Tipp
Nicht jedes unverträgliche Pferd ist tatsächlich unverträglich.
Manchmal steckt hinter Gereiztheit, Aggression oder Rückzug einfach ein Pferd, dessen Bedürfnisse sich verändert haben. Gerade ältere Pferde brauchen oft nicht mehr Beschäftigung oder mehr Artgenossen, sondern die richtige Aufgabe, passende Sozialpartner und das Gefühl, weiterhin wichtig zu sein.
Wer das Verhalten seines Pferdes verstehen möchte, sollte deshalb nie nur das Symptom betrachten, sondern immer die ganze Geschichte dahinter.
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