Plötzlich unsauber und respektlos?
Wenn ein Hund ständig in die Wohnung macht, seine Menschen zwickt oder nur auf eine einzige Bezugsperson fixiert ist, steckt oft mehr dahinter als bloßer Ungehorsam.
Lies, warum Rambo dieses Verhalten zeigte und wie schon wenige Veränderungen im Alltag das Familienleben nachhaltig verbessert haben.
Rambo, ein einjähriger Yorkshire Terrier, zog als Welpe bei einer alleinerziehenden Mutter und ihren siebenjährigen Zwillingen ein. Nach einer schwierigen Scheidung sollte der kleine Hund wieder Freude ins Haus bringen.
Rambo stammte aus einer Privatzucht, wo es zwar nicht an Pflege fehlte, er war jedoch im Stall aufgewachsen und hatte dort nur wenige Umweltreize kennengelernt.
Schon bald zeigten sich zwei große Probleme.
Zum einen machte Rambo immer wieder in die Wohnung. Obwohl er körperlich durchaus in der Lage war, länger auszuhalten und sein Geschäft draußen zu erledigen, setzte er aus Frust oder um Aufmerksamkeit zu bekommen immer wieder kleine Lackerl oder einen Haufen in die Wohnung.
Zum anderen war er extrem auf sein Frauchen fixiert. Die Kinder wurden zunehmend ignoriert. Wenn ihm etwas nicht passte, zwickte er sogar. Glücklicherweise war Rambo ein kleiner Hund – bei einem größeren Hund hätte dieses Verhalten durchaus gefährlich werden können.
Die eigentliche Ursache
Viele Menschen hätten vermutlich gedacht, Rambo sei einfach frech oder dominant. Doch Verhalten entsteht niemals grundlos. Rambo hatte als Welpe kaum Gelegenheit, wichtige Alltagserfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig entwickelte sich nach der Scheidung eine sehr enge Bindung zwischen ihm und seinem Frauchen. Beide spendeten sich gegenseitig Halt. Unbewusst entstand dadurch jedoch ein Ungleichgewicht innerhalb der Familie. Rambo lernte nie, sich in eine klare Familienstruktur einzufügen. Er durfte nahezu alles bestimmen. Sobald er Aufmerksamkeit einforderte, wurde auf seine Wünsche eingegangen. Tagesstruktur, klare Regeln und Grenzen fehlten. Dadurch entstand bei ihm immer mehr Unsicherheit. Gerade Hunde brauchen jedoch Orientierung, um sich wirklich entspannen zu können.
Mein ganzheitlicher Lösungsweg
In meiner Verhaltensberatung betrachte ich immer die gesamte Familie – denn Verhalten entsteht im täglichen Zusammenleben. Deshalb bestand die Lösung nicht nur aus Hundetraining, sondern aus kleinen Veränderungen im Alltag. Wir führten zweimal täglich kurze Gehorsamsübungen ein. Ganz wichtig war dabei, dass auch die beiden Kinder aktiv mit Rambo arbeiteten. Sie gaben Kommandos, spielten gemeinsam mit ihm und übernahmen das Füttern. So lernte Rambo Schritt für Schritt, dass nicht nur sein Frauchen, sondern die ganze Familie Orientierung gibt.
Auch die gemeinsamen Aktivitäten wurden angepasst. Statt Zerrspielen, bei denen Hunde oft viel ausprobieren und Grenzen testen, empfahl ich das Spiel mit zwei gleichen Bällen. Dadurch blieb das Spiel entspannt und machte allen Beteiligten Freude. Auch mit Nasenarbeit, also dem verstecken von Leckerlis, wurde begonnen.
Zusätzlich erhielt Rambo eine klare Tagesstruktur.
Für einige Wochen gingen sämtliche Aktivitäten ausschließlich von den Menschen aus. Wollte Rambo Aufmerksamkeit, wurde er zunächst freundlich auf seinen Platz geschickt. Erst wenn seine Familie entschied, wurde gespielt, spazieren gegangen oder gekuschelt. So lernte er auf sanfte Weise, sich an seinen Menschen zu orientieren und nicht ständig selbst Entscheidungen treffen zu müssen.
Begleitend erhielt Rambo eine individuell abgestimmte Bachblüten-Mischung, die ihn dabei unterstützen sollte, sich leichter auf die Veränderungen einzulassen.
Das Ergebnis
Bereits nach drei Monaten hatte sich das Familienleben völlig verändert. Aus dem kleinen Frechdachs wurde ein entspannter, fröhlicher Familienhund. Die Kinder konnten endlich eine liebevolle Beziehung zu Rambo aufbauen, das Zusammenleben wurde harmonischer und auch Rambo wirkte deutlich ausgeglichener und zufriedener.
Astrids Tipps
Viele Verhaltensprobleme entstehen nicht, weil ein Hund "dominant" oder "stur" ist, sondern weil ihm Orientierung und eine klare Familienstruktur fehlen. Gerade nach großen Veränderungen im Leben suchen Hunde nach Sicherheit. Liebe allein reicht dafür nicht aus. Erst das Zusammenspiel aus Nähe, klaren Regeln, sinnvoller Beschäftigung und einer liebevollen Führung gibt dem Hund die Sicherheit, die er für ein entspanntes Zusammenleben braucht.
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